08.09.2016 | Pressetexte

Mein Leben nach dem Burnout


Andreas K., 39 a  PL für IT

Die Zeit davor
Andreas K. 39a, war seit 7 Jahren Projektleiter für Innovationsmanagement der IT-Abteilung eines renommierten Handelsunternehmens. 80-90 Arbeitsstunden pro Woche, auch WE setzte er für die Abwicklung von damals 7 parallel laufenden Projekten mit jeweils 15 manchmal bis 20 Arbeitspaket-verantwortlichen ein, die meist auch alle in gleichzeitig laufenden Projekten beschäftigt waren.
Er konnte sich schlecht konzentrieren, nahm Arbeit mit nach Hause, um sie dort fertig zu stellen. Durch den hohen Arbeitsaufwand, schränkte er seine privaten Kontakte seit längerem sehr stark ein. Seine Frau und die beiden Kinder, bekamen ihn nur noch selten zu Gesicht. Er liess sich jedoch nichts anmerken, schließlich wollte er nicht sein Gesicht verlieren.
In der letzten Zeit vor seinem Zusammenbruch fühlte er sich müde und erschöpft, in der Nacht hielten Gedanken an den nächsten Tag, ihm vom Schlaf ab – es häuften sich Erkältungskrankheiten, die er nicht kurierte vielmehr ignorierte und starke Kopfschmerzen. Ein Hörsturz folgte und massive Magenprobleme zwangen ihn schließlich ans Institut ibos zu kommen.

Wie habe ich mich gefühlt?
„Ich habe mich am Höhepunkt der Krise gefühlt, als würde ich in einer Garage ständig im Kreis fahren und die Ausfahrt einfach nicht mehr finden. Ich hatte ständig das Gefühl, den Ereignissen hinterherzulaufen, die anstehenden Schwierigkeiten schienen schier unüberwindbar. Ich habe lernen müssen, nicht mehr alles alleine schaffen zu wollen und klar zwischen wichtigen und unwichtigen Dingen zu unterscheiden und auf meinen Körper zu hören. In der größten Erschöpfung glich ein Gang aufs WC einem Aufstieg auf den Himalaja. Das klingt komisch, aber die einfachsten Dinge sind mir schwer gefallen, wie ein einfacher Einkauf im Supermarkt. Wenn schon eine Schlange Menschen an der Kassa angestanden haben, bin ich umgedreht und gegangen. Das war mir alles zu viel.

Jetzt rückwirkend erscheint mir das lächerlich – damals war es fürchterlich. Ich hab mich geschämt dafür – was denken sich die Leute über mich. Früher habe ich 50 Mitarbeiter geführt- jetzt kann ich nicht mal alltägliche Dinge selbständig durchführen.

Die Zeit der Begleitung
Das schwierigste in der Therapie war mir einzugestehen, dass auch ich Grenzen habe, und die nicht ungestraft ausreizen kann. Ich musste akzeptieren, dass ich jetzt einmal eine Ruhe geben muss, um meinen erschöpften Organismus auftanken zu lassen. Ich bin viel zu lange auf Reserve gefahren.
Ich bin dann einen Monat in Krankenstand gegangen. Das schien mir fast unmöglich, mein Arzt und meine Therapeutin haben mir aber da Gott sei Dank keine Wahl gelassen. Meine Therapeutin hat mir als Techniker dann immer den Vergleich mit technischen Geräten gebracht. Sie sagte dann: „Was passiert, wenn ein Computer zu viele Programm offen hat? – Er stürzt ab. Was tut man dann? Mann fährt ihn runter, lädt ihn auf, und startet ihn wieder langsam. Genau das werden wir jetzt auch tun!“ Diese Sprache verstand ich. Das leuchtete mir ein. Kein IT`ler würde einen abgestürzten Computer so behandeln, wie ich mich selbst in der größten Belastung behandelt habe.

Was ich jetzt anders tue?
Die Wochenenden sind heilig. Das musste ich auch meiner Frau versprechen. Unsere Ehe war damals auch bereits am Kippen. Ich war ja nicht mehr ansprechbar. Ich habe ganz klare Handyfreie und Laptopfreie Zeiten für mich eingerichtet. Ich mache regelmäßig Pausen und habe regelmäßige Mahlzeiten. Das BEEP- Prinzip von Lisa Tomaschek-Habrina hat mich daran immer wieder erinnert, eine einfache Merkhilfe für den Alltag. Ich lasse auch meinen Computer im Büro, damit ich nicht in Versuchung komme, abends noch schnell ein paar mails zu checken. Und ich habe wieder begonnen Radfahren zu gehen. Das habe ich lange nicht mehr gemacht. Mein soziales Netz habe ich wieder reaktiviert, dass ich sehr lange Zeit vernachlässigt habe. Gott sei Dank habe ich da ein verständnisvolles Umfeld – ich hatte Angst mich wieder bei ihnen zu melden. Doch die Freude bei ihnen, dass ich mich wieder gemeldet habe, hat bei weitem überwogen. Manche meiner Freunde blieben jedoch unversöhnlich. Da hat sich dann auch der Weizen vom Spreu getrennt.

Dankbar für die Erfahrung.
So komisch das klingen mag. Das Burnout war das Beste was mir passieren konnte. Das kann ich natürlich jetzt im nach hinein sagen. Im Moment der totalen Erschöpfung, war mir das natürlich nicht möglich. Ohne den Zusammenbruch, hätte ich nichts an meinem Leben verändert. Ich wäre so weiter gefahren bis ... ja bis schlussendlich das Unvermeidliche hätte passieren müssen. Entweder hätte ich einen schweren Unfall gebaut,  schlimmstenfalls noch andere mit hineingezogen, und ich hätte ganz sicherlich keine Familie mehr. Das hätte mich dann in jedem Fall umgebracht. Ich weiß das Leben hat mir eine Chance gegeben. Meine Therapeutin sagte immer zu mir: „Das Leben hat viele Trainingsmöglichkeiten für uns parat – nutzen Sie sie!“ Ich kann getrost sagen, das tue ich jetzt!


Norbert S., 38 Jahre, Krisenmanager
seit 5 Jahren ehrgeiziger Krisenmanager bei einem internationalen Handelsunternehmen, 80-90 Stundenwoche galt als normal, ständige Erreichbarkeit bei Krisen als Voraussetzung für den Job. Durch die extreme Arbeitsbelastung nicht nur unter der Woche sondern auch am Wochenende, wurde Herr S. immer ungeduldiger und zynischer v.a. seiner Frau und seinen beiden Kindern gegenüber.

In der Arbeit galt er stets als bemüht, zuvorkommend und respektvoll, in seiner Familie verlor er zunehmend die Nerven. Er spürte, dass seine Energie nachließ, versuchte dies aber durch noch mehr Anstrengung und manchmal durch eine Flasche Wein am Abend auszugleichen. Zuguterletzt wird ihm noch ein jüngerer Kollege bei einer Postenbesetzung vorgezogen. Er distanzierte sich immer weiter von seinen Kollegen und sich selbst, ignorierte körperliche Symptome von immer wieder kehrenden Kopfschmerzen und Herz-Kreislaufbeschwerden mit der Parole: „Ich lass mich nicht unterkriegen!“ Massive Schlafstörungen und schließlich ein Hörsturz zwingen ihn schlussendlich einen Arzt aufzusuchen.

Die Begleitung
Nach einer Auszeit von 3 Monaten, die er mit der Firma vereinbaren konnte, und einer intensiven professionellen medizinischen und psychotherapeutischen Begleitung am Institut ibos, konnte er seine Energieressourcen wieder aufbauen, seine inneren Antreiber und Einstellung überarbeiten und neu bewerten. Er entschied sich für einen Wechsel in eine Stabsfunktion innerhalb des Unternehmens, die weniger krisengebeutelt war, um mehr auf seine Gesundheit achten zu können.

Was macht er nun anders?
Er achtet nun auf Warnsignale seines Körpers und sorgt u.a. durch Meditation und Quigong für seine Entspannung. Inzwischen macht er nur noch selten Überstunden und tankt Energie, wenn er mit seinen Söhnen im Garten Fußballspielen kann. Von seinen überzogenen Leistungsidealen im Job hat er sich zugunsten seiner Gesundheit und seiner Familie verabschiedet.  Über sein Burnout hat er offen im Unternehmen gesprochen und dafür Anerkennung und Respekt erhalten. Er wurde zu einem Vorbild für viele, die sich in ähnlichen Situationen fühlten. Das Unternehmen hat in der Zwischenzeit nach mehreren Fällen reagiert: Arbeitspsychologen und –mediziner der Firma arbeiten verstärkt für die Sensibilisierung von Burnoutprävention in dem dafür eigens eingerichteten Health Care Center.



Harald W., 39 a, IT

Der Zusammenbruch war total. Vier Wochen lang lag Harald W., IT Verantwortlicher eines großen Elektronikkonzerns, Anfang des Jahres erledigt im Bett. „Ich war völlig antriebslos, konnte weder lesen noch fernsehen, ich hatte nicht einmal Lust, mit jemandem zu telefonieren. Ich wollte von nichts und niemandem etwas wissen“, beschreibt er sein absolutes Lebenstief. Die zahlreichen Vorwarnungen hat der leistungsbetonte Vielarbeiter und alleinerziehende Vater ignoriert.

Nach seiner Scheidung war er für seine zwei halbwüchsigen Kinder verantwortlich. „Ich wollte ein guter Vater und ein herausragender Mitarbeiter sein, daher bin ich rund um die Uhr mit 120 Prozent Leistung gefahren“. Müdigkeit, Frust und zunehmende Vereinsamung hat er fast fünf Jahre lang verdrängt. Nach einem stressigen Messeaufenthalt kam dann der Zusammenbruch. Vier Monate lang war Werner im Krankenstand. Aus dem Tief fand er nur mit professioneller Hilfe durch eine Psychotherapie und medizinische Betreuung am Institut ibos.

Wie habe ich mich gefühlt?

„Ich bin vier Wochen einfach einmal daheim geblieben, habe auf mich geschaut, habe dann Gespräche mit meiner Kollegin gesucht, die mich damals sehr unterstützt hat in den ersten Wochen. Ich habe mir vier Monate bewusst Auszeit genommen und habe ich mich sehr intensiv mit folgenden Fragen auseinandergesetzt: Hallo, was willst du eigentlich, wie willst du da weitertun, wie willst du dein Leben gestalten? Und da ist sehr rasch dann dieses Bild gekommen: ok, fünf Tage Arbeit, zwei Tage Wochenende, Wochenende privat, sicher nichts arbeiten. Und es war schon eine Erleichterung …“

Was ich jetzt anders mache?

„Heute spiele ich im Job nicht mehr den Löser aller Probleme, sondern sage auch mal nein! Das hat lange gedauert bis ich das hingekriegt habe. Ich mache wieder regelmäßig Sport, gemeinsam mit meinen Kindern und wir haben Qualitätszeit. Ich arbeite immer noch viel, doch ich habe für mich das rechte Maß gefunden. Am Wochenende ist meine Zeit und die Zeit mit den Kindern. Mit meiner Ex-Frau konnte ich mich auch bezüglich der Betreuungszeiten einigen und ich treffe mich wieder mit meinen Kumpels, die ich lange Zeit vernachlässigt habe. Das Leben ist zu kurz, um es nur mit Arbeit zu verbringen. Es muss auch ein Leben neben der Arbeit geben. Das habe ich jetzt wieder.


Gloria W., 41 a, PL in der IT

Die Zeit davor
Gloria W.  ist Projektleiterin einer IT- Umstellung in einem internationalen Bankhaus. In den letzten 5 Jahren hat sie 2 Umstrukturierungen miterlebt, die letzte noch nicht ganz abgeschlossen. Sie ist sich ihres Jobs sicher, muss aber Mitarbeitern gegenüber viele Unsicherheiten austarieren.
 
Bis vor 3 Jahren durch eine „Super Chefin“ , wie sie betont, sehr engagiert und begeistert im Job. Frau W. hat sich von „ganz unten“ raufgearbeitet. Seit ihre Chefin ersetzt wurde, ist sie sehr unter Stress und Druck, erhält weniger Rückmeldung, ist zunehmend unsicher ob ihre Leistung passt, die Arbeit wurde immer mehr, Überstunden und Wochenendarbeit sind die Regel. Sie nimmt sich immer weniger Zeit für Freunde oder Freizeitbeschäftigungen, am Abend ist sie oft so erschöpft, das nur noch Fernsehen möglich ist.

In den letzten 8 Monaten nehmen Schlafstörungen und Konzentrationsstörungen zu, sie hat das Gefühl, es wächst ihr alles über den Kopf, ist immer wieder krank, leistet es sich aber nicht lang in den Krankenstand zu gehen mit der Überzeugung: „ist derzeit nicht möglich“. Kopfschmerzen versucht sie mit Medikamenten zu kaschieren. Sie fühlt sich leer und ausgepowert, hat auf nichts mehr Lust und auf dem Weg von und zur Arbeit weint sie immer wieder. Nach einem Kreislaufkollaps entschließt sie sich doch Begleitung bei ibos in Anspruch zu nehmen.

Wie habe ich mich gefühlt?
Ich habe mir immer gesagt, „durchhalten, du must nur durchhalten“ dann wird alles wieder gut. Es geht vorbei, nur noch das eine Projekt, und dann nimmst du dir Zeit. Durchhalten- das kann ja nicht so schwer sein, ich hab´ doch bisher alles noch geschafft. Ich kenne dieses Durchhalten von zu Hause. Das war die Parole meiner Mutter. Und mein Vater hat dann noch eines draufgegeben und noch hinzugefügt – „Da müssen wir durch“ –also nicht nur durchhalten, sondern auch noch durchmüssen. Für mich war das halt normal – ich hab´ es nicht anders gekannt, bis mein Körper dann regelrecht gestreikt hat und sukzessive Sabotage an mir geübt hat. Sonst hätte ich es auch nicht anders akzeptiert oder angenommen. Ich bin darüber hinaus auch noch der Meister der Verdrängung und des Nichtwahrhabenwollens gewesen, bis es einfach nicht mehr geht.

Was ich jetzt anders mache?
„Ich genieße wieder das Leben. Ich wollte es immer allen recht machen. Ich wollte gemocht werden – dafür habe ich Dinge getan, wo ich mir jetzt in der Nachbetrachtung wirklich auf den Kopf greifen muss. Wenn ich schon heim wollte, und mein Chef kam prinzipiell immer fünf Minuten bevor ich heimging noch mit einer dringenden Aufgabe auf mich zu – dann habe ich es nicht geschafft nein zu sagen,  sondern hab bereitwillig angenommen ohne eine Mine zu verziehen. Wie oft ich Freunde versetzt habe deswegen – war unwahrscheinlich. Viele waren dann natürlich sauer, weil ich es einfach nicht fertig brachte zu sagen, dass ich einen dringenden Termin hätte. Aber es war so. Das spannende war auch, dass bei Ich muss es „allen“ rechtmachen, ich nicht dabei war. Also allen recht  machten – außer mir! Das ist mir dann erst während der Therapie aufgefallen.
Ich versuche mich täglich auch im freundlichen nein sagen. Die Welt geht nicht unter, nur weil ich einmal die Dinge nicht übernehmen kann. Diese inneren Muster habe ich ja schon sehr lang. Es ist ein tägliches Üben, nicht wieder in die alten Muster zu kippen.

 

Beatrix K., 33a, Client Service Director

Beatrix arbeitet in einer Werbeagentur und hat aus Personalmangel seit einem Jahr auch noch Beratungstätigkeiten ihrer ausgeschiedenen Kollegin übernommen. Trotz ihrer kleinen Tochter wollte sie keine beruflichen Abstriche machen. Die Doppelfunktion, schwelende Konflikte im Team, außerordentliche Leistungsansprüche und massiver Zeit- und Kostendruck machen Frau K. mehr und mehr zu schaffen. In der nur mehr spärlichen Freizeit, ist es ihr aus Müdigkeit und Ausgelaugt sein kaum noch möglich Freunde zu treffen. Seit Monaten machen ihr nicht enden wollende Magen-Darmprobleme und plötzlich auftretende Nackenverspannungen zu schaffen. Ihre ständige Erschöpfung führt auch in der Partnerschaft immer wieder zu Diskussionen.

In der Nacht quälen sie Gedanken von bevorstehenden Meetings, für die sie sich nicht genug vorbereitet fühlt. Manchmal hat sie das Gefühl als stünde sie neben sich und nehme die Umwelt wie durch einen Schleier wahr. Ein zusehends erhöhter Blutdruck und völlige Erschöpfung zwingt sie zu ibos zu kommen: ein massives Belastungssyndrom wird festgestellt: Burnout.

Wie habe ich mich gefühlt?
„Bei mir war’s offensichtlich so, dass ich ein sehr großer Perfektionist bin und ich wollte alles hundertprozentig machen, nein, eigentlich hundertzehn- oder hundertzwanzigprozentig! Ich bin Mutter, ich wollte da hundertprozentig sein, ich wollte in meinem Beruf immer weiter kommen und erfolgreich sein und ich wollte die perfekte Hausfrau sein, die perfekte Ehefrau sein und habe so ein bisschen auf mich vergessen in dieser Zeit. Und ich glaube, über eine sehr lange Zeit auf mich vergessen!

Was war der Auslöser für den Zusammenbruch?
„Der Auslöser war eine Mitarbeiterumfrage meiner Mitarbeiter in meinem Unternehmen, wo herauskam, dass das was ich täglich tue, wo ich doch so darin aufgehe, wo doch so viel Herzblut reinfließt, nicht gut ankommt, oder nicht in dem Maße gut ankommt, wie ich es mir erwartet habe. Ich war völlig aus der Bahn, ich war schockiert: Das kommt dabei heraus, wenn ich hundertzwanzig Prozent gebe, das ist also das Resultat. Dass meine Mitarbeiter dasitzen und sagen, also da fehlt uns das und das, und das kommt nicht gut an, man könnte das noch verbessern usw. Das war der Abend davor. Und am nächsten Morgen, ich hatte eine sehr schlaflose Nacht, ich hatte furchtbare Angstzustände und auch Panikattacken, wo ich hoffen ließ, dass nur mehr der Morgen kommt. Ich habe nicht gedacht, dass ich das überleben kann, diese Nacht ... so eine Panikattacke, als ob ich einen Herzinfarkt habe. Das waren genau diese Anzeichen, was man halt so nachliest, wie sich das so zeigt. Und am Morgen wollte ich aufstehen aus dem Bett und ich konnte nicht. Ich konnte nicht sprechen, ich habe meine kräftige Stimme verloren, ich konnte nicht aufstehen, ich konnte auch nicht denken. Es war alles weg, was mich so ausmacht. Mit einem Schlag. Und da habe ich mir gedacht, jetzt ist etwas Furchtbares mit mir passiert. Es war aber noch nicht in dieser Sekunde klar, du hast ein Burnout, das ist es jetzt, aber ich habe gewusst, es ist etwas ganz Furchtbares. Es war alles weg. Ich habe dann in der Firma angerufen und meine Kollegin, mit der ich damals seit acht Jahren zusammengearbeitet habe, hat mich an der Stimme nicht erkannt. Sie hat gesagt, um Gottes Willen du klingst wie eine siebzigjährige Frau, was ist mit dir passiert. Und so habe ich mich auch gefühlt. Ich konnte auch nicht Auto fahren, ich war zu nichts imstande, nichts. Ich konnte auch nicht denken. Und so kam ich dann ans Institut.“

Was ich jetzt anders mache?

Diese eigene Grenze zu sehen, dieses Sich-eingestehen-müssen, es geht nicht mehr, für mich war es so, wie wenn ich versagt hätte. Ich war normalerweise die, die hilft, die einspringt, der Troubleshooter in der Familie und im Job und immer parat und immer präsent und immer mit Lösungen da. Eine ganz ungewöhnliche Situation für mich, hat sich auch ganz unangenehm angefühlt für mich, aber die Situation hat es einfach erfordert und es blieb mir auch nichts anderes übrig. Ich konnte da nicht mehr alleine raus. Das war einfach die Notwendigkeit dahinter, zu sagen, ich brauche jetzt jemanden, der mir hilft. Weil so will ich nicht!
Was mir sehr geholfen hat, dass ich begonnen habe mich hinzustellen und zu sagen, ja ich hatte Burnout. Dann habe ich mit sehr vielen Kollegen im Beraterkreis gesprochen, und die haben sehr positiv reagiert. Es sind plötzlich ganz viele andere Menschen angedockt und haben auch begonnen darüber zu reden.

Das Burnout hat mein Leben geprägt. Hat mich damals verändert, prägt heute noch immer mein Leben, weil meine Grundanlagen sind so, ich bin engagiert, ich habe sehr viele Fähigkeiten und Talente mitbekommen in meinem Leben. Und ich bin immer wieder gefährdet, wenn ich nicht rechtzeitig darauf achte, wieder leiser zu treten, Auszeiten zu nehmen, Pausen zu machen und auf meine Grenzen zu schauen.